Nicht nur Kinder lieben Kaninchen. Die klassische Haltungsform des langohrigen Kameradens ist vielerorts immer noch Stall oder Käfig. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) hat bereits 2019 neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zusammengetragen und festgestellt, dass diese Wohnart für Langohren nicht tierschutzgerecht ist. Studien zeigen nämlich, dass das Bewegungsbedürfnis von Kaninchen weit größer als lange Zeit angenommen ist. Zudem sollten die Nager mindestens zu zweit gehalten werden, ansonsten vereinsamen sie. Somit ist ein großzügiges Außengehege eine gute Idee, den Platzbedarf von Kaninchen ausreichend zu befriedigen. Bevor ihr euch im Internet nach einem geeigneten Gehege umseht oder gleich selbst Hammer und Säge herausholt: Wieviel Platzbedarf müsst ihr für eure Hoppler einplanen? Wie sollte ein Außengehege platziert werden, um den Tieren ausreichend Witterungsschutz und Sicherheit zu bieten? Welche Materialen solltet ihr verwenden?

Ganzjährig draußen halten
Grundsätzlich können Kaninchen problemlos ganzjährig draußen leben. Ausnahme ist natürlich, wenn die Tiere bestimmte Krankheiten haben. Haltet daher im Einzelfall unbedingt nochmal Rücksprache mit eurem Tierarzt. Für Bau oder Kauf eines Außengeheges von Kaninchen müsst ihr ein paar Dinge beachten, um die Tiere vor allerlei Gefahren zu schützen. Kaninchen sind grundsätzlich sehr hitzeempfindlich: Die Hälfte der Fläche eines Außengeheges sollte im Schatten liegen, bei Kaninchen mit roten Augen sogar die ganze Fläche. Wollt ihr ein Gehege auf eurem Balkon errichten, solltet ihr eine zusätzliche Beschattung einsetzen, z.B. ein isolierten Schutzhaus. In jedem Fall sollte immer ausreichend Wasser zur Verfügung gestellt werden. Winter mit Frost kann den Tieren dagegen weit weniger anhaben, wenn sie sich ausreichend bewegen können. Achtet zudem gerade in kalten Jahreszeiten, dass am Standort des Geheges keine Zugluft auftritt.

Kaninchen im Gehege steht mit zwei Pfoten an einer Holzstrebe und schaut.

Ein weiterer entscheidender Punkt bei einem Außengehege ist die Sicherheit. Denn euren Hopplern drohen allerhand Gefahren, gegen die sie geschützt werden müssen. Für sie gefährliche Tiere wie Katzen, Greifvögel, Mardern usw. dürfen sich keinen Zutritt verschaffen können. Auch muss das Gehege diebstahlsicher verankert werden. Gleichzeitig sollten die Kaninchen sich nicht unter den Gehegewänden herausbuddeln können. Zudem dürfen eure Nager keinen Zugang zu Giftpflanzen, Stromkabel oder Teiche haben.

Großzügig Platz einplanen
Wie sieht es nun mit dem tatsächlichen Platzbedarf von Kaninchen aus? Auf Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse empfehlen die Experten vom TVT, dass Kaninchen in ihrem Gehege mindestens drei aufeinanderfolgende Hoppelschritte machen können müssen. Dafür benötigt ein Kaninchen eine Länge von ca. 2,4 m. Die benötigte Grundfläche für zwei Kaninchen soll mindestens 6 m² betragen. Für jedes weitere Kaninchen benötigt ihr 20 % mehr Fläche. Das sind aber nur die Mindestmaße. Ein Mehr an Fläche wird sich positiv auf das Wohlbefinden und somit auf die Gesundheit eurer Hoppler auswirken. Für die kalten Wintermonate ist viel Bewegungsfläche sogar überlebenswichtig, um Unterkühlungen vorzubeugen. Denn nur durch Bewegung halten sich Kaninchen warm. Wollt ihr euer Gehege mehrstöckig aufbauen, solltet ihr beachten, dass die Tiere Männchen machen können, ohne oben mit den Ohren anzustoßen.

Zwei junge schwarz-beige gescheckte Kaninchen schauen aus einem umgekippten Bastkorb.

Gehege müssen strukturiert sein
Wie viele andere Haustiere wollen auch Kaninchen nicht dort essen, wo sie uriniert und gekotet haben. Auch ein Platz zum Schlafen benötigen sie gesondert. Daher ist bei der Gestaltung eines Kaninchengeheges eine Strukturierung nach Nutzungsfunktionen wichtig. Folgende Aufteilung ist hier sinnvoll:

  • Futterplatz mit Fress- und Trinknapf sowie Heuraufe
  • Toiletten: mindestes zwei mit Einstreu
  • Schlaf- und Ruheplätze: erhöhte Liegeflächen, z.B. auf einem Häuschen mit Flachdach
  • Rampen aus Holz, um auf Liegeflächen zu gelangen
  • Höhlen oder Labyrinthe aus Holz oder Stoff
  • Beschäftigungs- und Spielgelegenheiten: Bereiche zum Gänge buddeln oder Mulden scharren, auch um sich im Sommer zu kühlen

Geeignete Materialien und Untergründe
Baut ihr das Gehege selbst, verwendet keine giftigen Materialien, Lacke und Kleber. Plastik sollte an den Rändern mit Metallschienen geschützt werden. Sehr entscheidend ist auch die Wahl eines geeigneten Untergrundes. Er sollte bei Niederschlag nicht verschlammen und stabil genug sein, um Gänge bauen zu können. Sehr gut geeignet ist Grasboden, allerdings lässt er sich schlecht reinigen. Daher sollte man an den Rändern, wo die Tiere Exkremente hinterlassen, Gehwegplatten verwenden. Damit die Tiere keine Gänge nach draußen anlegen können, könnt ihr bei Grasuntergründen eine Sperrschicht im Untergrund z.B. aus Maschendraht anlegen. Nutzt ihr als Boden komplett Gehweg- oder Waschbetonplatten, schafft trotzdem einen Abschnitt zum Buddeln und eingestreute Bereiche zum angenehmen Sitzen. Von Rindenmulch oder Kleinstierstreu über die gesamte Fläche ist abzuraten, da die Materialen bei nasser Witterung feucht werden und schimmeln.

Kaninchengehege aller Art bietet der Zoofachhandel. Selbstgebaute Gehege haben den Vorteil, dass man sie besonders von der Größe her nach Bedarf angepassen kann. Für den Selbstbau findet ihr eine Reihe von genauen Anleitungen im Internet. Wir von der TIERdirekt Kaninchenversicherung wünschen euch viel Freude bei der Einrichtung eines neuen großzügigen Heims für eure Hoppler. Sie werden es euch danken mit Wohlbefinden, robuster Gesundheit und Lebensfreude.