Immer nur Gassi gehen ist langweilig. Das denkt sich auch so mancher Hundehalter und will seinem Vierbeiner Abwechslung beim Bewegen bieten. Dazu greift man gerne zu einem Ball, wirft ihn weg, damit der Hund ihn wieder einfangen kann. Es scheint die ideale Möglichkeit zu sein, damit ein Hund sich sportlich betätigt und dabei auch noch Spaß hat. Doch dieser harmlose „Spaß“ kann unter Umständen tatsächlich eine ernste Angelegenheit werden. Warum das so ist und welche Alternativen es für Mensch und Tier zum Ballwerfen gibt, erklärt uns Hundetrainerin Frauke Loup von der Hunde-Akademie Perdita Lübbe in Griesheim bei Darmstadt.

Hunde sind Beutegreifer und das Rollen, Springen oder Kullern des Balles oder von anderem Wurfmaterial (Kong, Frisbee, Tannenzapfen, Stock etc.) regt das Jagdverhalten des Hundes an. Wie stark, das ist individuell von Hund zu Hund allerdings sehr unterschiedlich. Während der eine Hund nur müde lächelt, wenn ein Ball geworfen wird, zündet der nächste prompt ohne nachzudenken. Mit der Zeit werden einige Hunde immer schneller und geschickter darin, den Ball zu erwischen.

Vom vermeintlichen Spaß zum Jagd-Kick

Soweit so gut. Was manchen Hundebesitzer aber erstaunen mag: Das regelmäßige Rennen hinter der „Beute“ Ball kann bei einigen Hunden zu einem echten Problem werden. Zunächst einmal ist schnelles Lossprinten, um dann mit den Vorderläufen auf dem Ball oder einem anderen Gegenstand zu landen, für den noch recht instabilen Bewegungsapparat eines Welpen oder Junghundes sehr ungünstig. Eine noch viel weitreichendere Folge kann aber auch bei erwachsenden Hunden eintreten: Das Verfolgen und Hetzen von Bewegungsreizen ist selbstbelohnend und oft viel toller als jegliches Leckerli oder Würstchen. Das Jagdfieber hat den Hund erfasst.

Je häufiger ein Hund diesen "Spaß" erleben darf, desto mehr sucht er dann irgendwann eigenständig nach Auslösern für seinen persönlichen Jagd-Kick. Dazu werden zahlreiche Hormone in Wallung gebracht, die den Hund in eine Art Rauschzustand bringen können. So manches Tier gerät regelrecht in einen Tunnelblick und fokussiert sich darauf so stark, dass es zunehmend weniger ansprechbar ist.

Verhalten kann außer Kontrolle geraten

Bei entsprechender Veranlagung kann das Verhalten derart überhandnehmen, so dass der Hund irgendwann auf sich schnell bewegende „Reize“ aller Art anspricht, z.B. joggende, schreiende Menschen, Katzen, Radfahrer, Kaninchen, schaukelnde oder rennende Kinder. Unfälle können die Folge sein. Wie gesagt: Es kann kritisch werden, muss aber nicht. Auch im Hundesport werden Spielzeuge teilweise als wertvolle Motivation eingesetzt. Es geht eben immer um das Maß und die Art und Weise. Leider haben wir in unserer Hundeschule immer wieder mit dieser Thematik zu tun, dass Hunde schon im jungen Alter schnell und schneller gemacht wurden. Das Ganze zurückzuarbeiten kann für Tier und Halter sehr mühsam und aufwändig sein. Es lohnt sich daher, sich vorab Gedanken zu machen, ob eine andere Beschäftigung nicht geeigneter ist.

Gezieltes Apportier-Training – das macht Sinn

Um die Gefahr von Jagdverhalten oder übersteigertem Beutefangverhalten im Vorhinein zu minimieren, gibt es gute Alternativen zum stupiden Werfen von Bällen und anderen "Flugobjekten“. Dazu gehört z.B. zielgerichtetes Apportier-Training. Der Vorteil dabei ist, dass Team-Work gefragt ist und die Mensch-Hund-Beziehung gestärkt wird. Gemeinsam kommt man zum Erfolg, das Vertrauen wird intensiviert und nebenbei wird noch der Gehorsam des Hundes gefestigt.

Apportieren bedeutet, dass der Hund auf die Erlaubnis des Menschen hin einen Gegenstand (in der Regel einen Dummy oder ein mit Futter gefülltes Mäppchen) holen darf und diesen zurückbringen soll. Während der Hund sitzt, kann der Apportier-Gegenstand geworfen werden, sollte aber bei „Bewegungsjunkies“ eher ausgelegt bzw. versteckt werden. Da der Hund im Vorfeld abwartet, übt er sich in seiner Konzentrationsfähigkeit und bleibt gedanklich beim Halter. Darf der Hund dann los, dann merkt man, welche besonderen Fähigkeiten in ihm stecken. Gerade die Nasenleistung von Hunden ist grandios und das Suchen ist anstrengend und macht müde.

Ausgelegte Gegenstände aufzufinden, das ist eine anspruchsvolle Leistung. Für
Fortgeschrittene gibt es dann verschiedene Steigerungsmöglichkeiten. So können
beispielsweise gleich mehrere Dummys ausgelegt werden, die der Hund nacheinander suchen soll. Außerdem kann ein Hund lernen, dass der Mensch vorgibt, welchen von fünf Dummys er zuerst holen soll. Es gibt unzählige Variationen und Kombinationen aus verschiedenen Übungen. Darüber hinaus gibt es außerdem noch viele andere Möglichkeiten, Zeit miteinander zu verbringen bzw. einen Hund mittels Kopfarbeit auszulasten.

Wer mehr über richtiges Apportieren erfahren will, kann sich gerne direkt bei Hundetrainerin Frauke Loup von der Hunde-Akademie Perdita Lübbe in Griesheim melden. Auch werden Fragen zu übertrieben ausgeprägtem Jagdverhalten von Hunden gerne beantwortet und Maßnahmen vorgeschlagen. Die Hunde-Akademie ist unter Tel.: 0171-4212969 oder info@hundeakademie.de zu erreichen. Oder einfach

auf dieser Webseite schauen: www.hundeakademie.de. Wir von TIERdirekt wünschen weiterhin einen aktiven und gesunden und vor allem rundum sicheren Herbst mit deinem Vierbeiner.