Seit 2015 beobachten Tiermediziner eine Ausbreitung der Hämorrhagischen Kaninchenkrankheit in ganz Deutschland. Die auch als Chinaseuche bekannte hochansteckende Infektion erzeugt schnell regionale Infektionsherde. Aktuell ist davon seit Ende November 2021 der baden-württembergische Rems-Murr-Kreis betroffen. Immer mehr Kaninchenbesitzer hatten sich bei den dortigen Tierärzten gemeldet, als ihre Tiere urplötzlich von einem Tag auf den anderen gestorben waren. Die Chinaseuche wird durch den RHD-Erreger ausgelöst – RHD steht für Rabbit Haemorrhagic Disease. Das Virus zählt zu den Caliciviren, die man vor allem von Katzen kennt und z.B. Katzenschnupfen auslösen. Während früher der klassische RHD-Erreger Kaninchen vor allem im Sommer befiel, ist seit 2014 zunehmend der RHD-2 Virus dominant, der besonders im Herbst und Winter auftritt. Erfahrt in unserem Blogartikel mehr über die Chinaseuche: wie ihr sie erkennt und wie ihr eure Kaninchen behandeln und im Vorfeld schützen könnt.

Rasant schneller Verlauf
Besonders der RHD-2 Virus ist sehr tückisch. Der Erreger wird in vielen Fällen gar nicht bemerkt. Das liegt vor allem an seiner sehr kurzen Inkubationszeit. Diese kann oft lediglich nur einen halben bis einen ganzen Tag betragen. Morgens können Kaninchen noch einen vollkommen gesunden Eindruck machen, abends können sie bereits verstorben sein. Bei RHD-2 zeigen Tiere tatsächlich bis zuletzt oft keine Symptome. Diese Erfahrungen haben verstärkt auch Tierärzte im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis gemacht, wo die Chinaseuche mit dem RHD-2-Erreger seit Ende November sich sehr schnell ausgebreitet hatte.

Kleines weißes Kaninchen mit hellbraun gemustertem Kopf sitzt im Gehege auf Gras und frisst.

Menschen übertragen, sind aber immun
Verbreitet werden RHD-1 und RHD-2 über vielerlei Wege. Hauptsächlich sind Stechmücken verantwortlich, seltener Milben, Flöhe und Zecken. RHD-2 wird auch noch durch Fliegen übertragen. Dazu müssen die Insekten direkten oder indirekten Kontakt, z.B. über Kot, mit einem kranken Tier haben. Die Erreger können aber auch durch Wildtiere wie Vögel oder Nager weitergegeben werden. Auch Grünfutter oder Heu aus Gebieten mit vielen infizierten Feldhasen oder Wildkaninchen kann die Chinaseuche bei Kaninchen verbreiten. Das Dilemma: Auch schon wieder genesene Kaninchen können weiterhin über den Darm aktive RHD-Viren ausscheiden. Menschen sind zum Glück gegen die Chinaseuche immun. Das gilt erstaunlicherweise auch für andere Tiere, selbst für Nager und Meerschweinchen. Trotzdem können Mensch und Tier RHD-Viren übertragen. Daher müsst ihr euch bei Auftreten von RHD in eurem Umfeld immer gut desinfizieren, wenn ihr Umgang mit euren Kaninchen habt.

Oft keine Symptome sichtbar
Noch nicht geklärt ist, warum RHD-1 Jungtiere gar nicht befällt, während RHD-2 auch diese nicht verschont. Welche Symptome zeigen sich? Wie schon gesagt: Leider häufig keine. Bei RHD-1 kann zunächst Fieber über 40 Grad eintreten. Auffällig ist die rote Flüssigkeit, die aus der Nase fließt. Später stellen die Kaninchen die Nahrungsaufnahme ein, ringen nach Luft und krampfen. Beim RHD-2 verläuft die Krankheit oft weniger sichtbar. Die Tiere verbluten eher von innen. Das RHD-2 Virus greift vor allem die inneren Organe wie Leber und Milz an. Dadurch kommt es zu Störungen bei der Blutgerinnung. Die Folge sind oft Einblutungen und Wasser in der Lunge. Es ist ein ähnlicher Verlauf wie eine klassische Sepsis. Beim aktuellen Seuchengebiet Rems-Murr-Kreis nordwestlich von Stuttgart stellten Kaninchenbesitzer wenn überhaupt erst kurz vor dem Ableben fest, dass Tiere apathisch werden. Sie springen hoch, schreien und legen sich dann auf die Seite. So halbierten sich in dem schwäbischen Landkreis größere Kaninchenbestände innerhalb von Tagen quasi ohne Symptome. Für die Besitzer ein schrecklicher Umstand, dem sie nur hilflos gegenüberstehen. Falls ihr also erste Symptome überhaupt erkennen solltet, informiert sofort euren Tierarzt.

Weiß-braun-schwarz gemustertes Kaninchen wird auf Praxis-Behandlungstisch abgestastet.

Unbedingt frühzeitig impfen
Impfen ist das wirksamste Mittel einem Befall durch RHD-1 und RHD-2 vorzubeugen. Das gilt besonders, wenn frühzeitig geimpft wird. Denn lebt ihr in einem Gebiet, wo gerade die Seuche grassiert, kann eine Impfung bei der rasant verlaufenden Seuche auch zu spät kommen. Denn Impfungen entfalten ihre volle Wirkung erst in 7- 10 Tage. Ist die Krankheit bereits im Körper, ist eine intensive Behandlung mit Infusionen vonnöten. So soll das Tier gestärkt und stabilisiert werden. Bei stark fortgeschrittenen Infektionen, muss man leider auch über ein Einschläfern nachdenken. So erspart man den Tieren einen grausamen Erstickungstod. Vorbeugend bei noch gesunden Tieren können auch medizinische Mittel wie z.B. zur Leberstärkung sinnvoll sein. Welche Impfstoffe und Medikamente gegen die beiden Varianten RHD-1 und RHD-2 für eure Kaninchen am besten geeignet sind, fragt am besten euren Tierarzt. Denkt an eure TIERdirekt Karte mit eurer Versicherungsnummer. Wir übernehmen auch für Kaninchen Behandlungen ohne jährliches Limit.

Gesunde Tiere schnell isolieren
Habt ihr Fälle von RHD in euren Bestand, könnt ihr eure noch gesunden Tiere mit einigen Sofortmaßnahmen schützen:

  • Gesunde Kaninchen an andere Orte wie z.B. Innenkäfige umziehen
  • Intensive Hygienemaßnahmen bei Kontakt mit Tieren und für die Tiere untereinander
  • Viruzid wirksame Desinfektionsmittel verwenden
  • Zufüttern mit natürlichem Grünfutter, die entzündungshemmende ätherische Öle enthalten, wie Meerrettich, Kapuzinerkresse, Rettich und andere Senfölpflanzen
  • Kein Grünfutter in befallenen Gebieten selbstpflücken, da infizierte Wildkaninchen die Pflenzen verunreingt haben können
  • Fliegengitter installieren, um RHD-Übertragung durch Insekten vorzubeugen
Großes braunes Kaninchen sitzt entspannt auf Stroh im Stall.

Und auch wichtig: An der Chinaseuche verendete Tiere sollten nicht vergraben werden. Der Erreger kann noch Jahrzehnte im Boden bei unterschiedlichsten Witterungseinflüssen ohne Wirt weiterleben. Das zeigt wie enorm widerstandsfähig und gefährlich RHD-2-Viren sind.

Wir hoffen, wir konnten euch helfen, bei Auftreten dieser sehr gefährlichen wie hinterhältigen Chinaseuche die richtigen Entscheidungen zu treffen. Auf das niemals RHD oder andere bösartige Infektion euere Kaninchen trifft. Bliebt gesund!